| Bunkai, Oyo und Kyusho Jitsu 'Bassai Dai' am 19.2.2011 |
Am 19. Februar 2011 ging die Initiative 'Bunkai, Oyo und Kyusho-Jitsu' in Nürnberg in die zweite Runde. Die Referenten Joachim Merkl, Rainer Dohm und Christian Conrad, diesmal unterstützt von Markus Waßmann, hatten ihre Erfahrungen aus Karate, Kyusho-Jitsu und Kobudo mit viel Engagement in die Vorbreitung des Lehrgangs gesteckt. Dieses Mal stand die Kata Bassai Dai im Mittelpunkt. Ziel war die Vermittlung des Bunkai und Oyo, in einer alternativen, nicht sofort offensichtlichen Form, in die auch die Vitalpunktstimulation des Kyusho-Jitsu mit einfließt.
Dieses Angebot, das 2010 schon mit großem Erfolg startete, hat auch dieses Mal wieder erfahrene und interessierte Karateka aus einem großen Einzugskreis angelockt. 40 Teilnehmer aus Nordbayern, bis hin nach Schorndorf, Lindau, Pfarrkirchen, Hemau und sogar aus Wien waren der Einladung gefolgt. Die Philosophie der vier Referenten ist, die Anzahl der Teilnehmer zu begrenzen, um damit eine intensive Betreuung während der Übungen zu sichern. Dieses Konzept ging voll auf, im Laufe des Lehrgangs wurde die Kata in 19 Anwendungen zerlegt, nach jeder Demonstration durch die Referenten wurde die Anwendung der Technik geübt. Um sich dabei nicht auf einen Partner oder eine Partnerin 'einzuschießen', waren alle Teilnehmer aufgefordert, möglichst jede Anwendung mit einem neuen Partner zu üben.
Leitlinie der ausgewählten Anwendungen zur Verteidigung waren Erfahrungen 'von der Straße', wie sie auch aus der polizeilichen Arbeit vorhanden sind. Danach beginnt die überwiegende Zahl der Gewaltsituation, z.B. eine Schlägerei oder Rangelei, mit einem Greifen des Opfers, Würgen Schubsen. Hierauf waren die Anwendungen abgestellt der Angreifer erfasst z.B. den Arm, die Schulter und holt zu einem Schwinger aus.
Schritt für Schritt wurde an jeder Technik oder kurzen Techniksequenz die Umsetzung in realistische Selbstverteidigungs-Situationen demonstriert. Dabei wurden Tsukis, Kicks und Hizageris aus kurzer Distanz zur Verteidigung eingesetzt, der Gegner über Z- und Streckhebel kontrolliert und notfalls (in der entschärften Übungsform) auch mal der Kopf 'abgeschraubt'. Wenn es die Situation erlaubt, wurden auch die Vitalpunkte des Kyusho-Jitsu mit einbezogen.
Durch das Üben des Bunkai mit wechselnden Partnern wurde den Teilnehmern auch immer wieder deutlich gemacht, dass je nach körperlichen Voraussetzungen manche scheinbar einfachen Anwendungen schlicht nicht funktionieren. Daher ließen die Referenten auch immer wieder Variationen einfließen, auf die man in der Verteidigung ausweichen kann, ohne dabei die Kata verlassen zu müssen.
Neben den Übungen der Bunkai-Anwendungen wurden auch wieder die sogenannten 'Flow Drills' eingebaut. Damit eine Verteidigung im Ernstfall funktioniert, muss sie ohne Nachzudenken als instinktiver Reflex abrufbar sein. Für einen Flow Drill werden Bunkai-Sequenzen so anpasst, dass sie bei Wiederholung durch zwei Partner, die hierbei ständig die Rolle des Angreifers/Verteidigers wechseln, in einen 'Fluss' der Bewegungen übergehen. Sobald dieser fließende Ablauf vorhanden ist, ist das Nachdenken 'ausgeschaltet', die Verteidigung damit so verankert, dass sie als Reflex abrufbar wird. Dies wurde geübt mit einfachen Block- und Meidbewegungen, aber auch mit komplexeren Kombinationen, die den Angreifer in einen Streckhebel nehmen.
Die drei Einheiten mit je 1,5h waren prall gefüllt mit Demonstrationen, Üben und Diskussionen über die Anwendungen. Am Ende des Lehrgangstages, in sehr familiärer Atmosphäre, waren alle Teilnehmer hochzufrieden mit dem Gelernten und dem Einsatz der Referenten, aber auch erschöpft angesichts der Fülle der wertvollen Informationen und Hinweise. Eine solche Fülle an Anwendungen zu einer Kata wird auf der Mehrzahl der großen Lehrgänge nicht angeboten, so dass sich hier ein Angebot etabliert, nach dem es lohnt, auch in der nächsten Zeit wieder Ausschau zu halten.
Kenshokan Nürnberg